Keine Rechts- oder Steuerberatung: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information (Stand: Oktober 2026) und ersetzt keine individuelle Beratung durch Steuerberater oder Finanzamt. Maßgeblich sind stets die jeweils gültigen Gesetze und Verwaltungsanweisungen.
Auf einen Blick
- Terminkalender und Kasse verzahnt — der Termin wird zum Bon
- Umsatz und Trinkgeld je Mitarbeiter, Provisionsabrechnung
- Dienstleistung und Produktverkauf auf einem Bon
- Gutscheine mit Barcode, sichere Einlösung und Entwertung
- Steuersatz Dienstleistung 19 %; TSE-Pflicht wie überall
Termin und Kasse in einem System
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu einem reinen Handels-POS ist der integrierte Terminkalender: Kundinnen und Kunden buchen freie Slots (auch online), und aus dem Termin wird direkt der Kassenvorgang. Das spart Doppelerfassung und hält die Kundenhistorie an einer Stelle.
Wer Termine online buchen lässt, sollte das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) im Blick haben: Seit 28. Juni 2025 müssen Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr für Verbraucher grundsätzlich barrierefrei sein. Kleinstunternehmen — weniger als zehn Beschäftigte und höchstens 2 Mio. Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme — sind bei Dienstleistungen ausgenommen (§ 3 Abs. 3 BFSG).
Mitarbeiter, Umsatz & Provision
- Umsatzzuordnung je Mitarbeiterin oder Mitarbeiter
- Provisionsabrechnung auf Basis der zugeordneten Umsätze
- Zeiterfassung und Auslastung im Blick
Dienstleistung plus Produktverkauf
Neben der Behandlung wird häufig auch Ware verkauft — etwa Pflegeprodukte. Ein gutes System bildet Dienstleistung und Produkt auf einem Bon ab und führt die Behandlungshistorie je Kundin oder Kunde.
Gutscheine & Trinkgeld korrekt erfassen
Gutscheine sollten sich sicher erstellen, per Barcode einlösen und automatisch entwerten lassen. Trinkgeld, das über die Kasse oder per Karte gezahlt wird, muss vollständig und cent-genau erfasst werden, am besten getrennt vom Umsatz. Steuerlich gilt: Trinkgeld an Angestellte ist steuerfrei (§ 3 Nr. 51 EStG), beim Inhaber gehört es zu den Betriebseinnahmen. Eine Zuordnung je Mitarbeiterin oder Mitarbeiter schreibt das Gesetz nicht vor — sie ist aber sinnvoll, damit die Weitergabe nachvollziehbar bleibt.
Die Finanzverwaltung prüft bargeldintensive Dienstleister gezielt: Bei unangekündigten Kassen-Nachschauen in Baden-Württemberg (23. Februar bis 27. März 2026) wiesen 94 von 162 kontrollierten Barbershops, Tattoo- und Nagelstudios Unregelmäßigkeiten auf, meist bei der Kassenführung. Eine vollständige, zeitgenaue Aufzeichnung aller Bewegungen (Einnahmen, Wechselgeld, Trinkgeld, Gutscheine) ist der beste Schutz — mehr dazu im Beitrag zur Kassen-Nachschau.
Steuer & Pflichten
Friseur- und Kosmetikdienstleistungen unterliegen dem Regelsteuersatz von 19 Prozent; auch der Produktverkauf ist in der Regel mit 19 Prozent zu besteuern. TSE und Belegausgabepflicht gelten wie in jedem anderen Betrieb mit elektronischer Kasse.
Häufige Fragen
Kann ein Kassensystem auch Termine verwalten?
Ja. Für Friseure und Kosmetikstudios gibt es Systeme, die Terminkalender und Kasse verbinden — der gebuchte Termin wird direkt zum Kassenvorgang.
Wie wird Trinkgeld beim Friseur korrekt gebucht?
Über die Kasse oder per Karte gezahltes Trinkgeld vollständig und cent-genau erfassen, getrennt vom Umsatz. Trinkgeld an Angestellte ist steuerfrei (§ 3 Nr. 51 EStG), beim Inhaber gehört es zu den Betriebseinnahmen. Eine Zuordnung je Mitarbeiter ist nicht vorgeschrieben, hilft aber bei der Weitergabe.
Welcher Steuersatz gilt für Friseurleistungen?
Der Regelsteuersatz von 19 Prozent.
Warum ist saubere Kassenführung beim Friseur besonders wichtig?
Weil die Finanzverwaltung bargeldintensive Dienstleister gezielt kontrolliert: In Baden-Württemberg fielen Anfang 2026 bei 94 von 162 geprüften Barbershops, Tattoo- und Nagelstudios Unregelmäßigkeiten auf. Eine lückenlose, zeitgenaue Aufzeichnung schützt bei einer Prüfung.
Quellen
- § 146a AO (Gesetze im Internet) ↗
- § 3 EStG — steuerfreie Einnahmen, Nr. 51 Trinkgelder (Gesetze im Internet) ↗
- Land Baden-Württemberg — Viele Mängel bei Kassenkontrollen in Barber-, Tattoo- und Nagelstudios (07.04.2026) ↗
- § 3 BFSG — Barrierefreiheitsanforderungen, Ausnahme für Kleinstunternehmen (Gesetze im Internet) ↗
Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Gesetze und Verwaltungsanweisungen. Stand: Oktober 2026.